Sonifikation in der Musik

Jens Brand

G-Player

2004 / Köln, Berlin / Audification / Topographical Data


Mit dem G-Player entwickelten der Künstler Jens Brand und der Ingenieur und Entwickler Sukandar Kartadinata ein Gerät, das die topografischen Gegebenheiten der Erde hörbar macht. Der G-Player (Global Player) wirkt und funktioniert dabei wie ein CD-Player - anstelle von Tonträgern wird die Erde abgespielt. Er kann die reale Position aller offiziell bekannten Satelliten abrufen (ca.1000) und simuliert die Umlaufbahn des angewählten Flugkörpers um die Erde. Ähnlich wie die Nadel über eine Schallplatte, fährt der Satellit die Erdoberfläche ab und setzt in der Interpretation des G-Players die Höhenverläufe direkt in Klang um.

 

Der G-Player ist ein Computer, der über zwei miteinander verknüpfte Datenbanken verfügt. Eine besteht aus den topografischen Daten der Erde und die andere aus einer dynamischen Listung aller bekannnten Satelliten und deren Flugbahnen. Alle Daten sind real. Bei jedem Neustart gleicht der Player seine Berechnungen automatisch mit der auf der Website des Amerikanischen Verteidigungsministeriums vorliegenden Satellitendatenbank ab, um manuelle Korrekturen der Satellitenbetreiber sowie neue Satelliten einbeziehen zu können.

 

Das Betriebssystem, sämtliche Daten sowie die gesamte Software sind Public Domain. Das Display des G-Players zeigt den Namen des angewählten Satelliten, seine Gattung (z.B. Wetter, Militär oder Telekommunikation), die Flughöhe und die Position über der Erde, in Längen- und Breitengrad. Die jeweiligen topografischen Daten werden wie Audiodaten interpretiert. Der "Rauschklang" ergibt sich aus der hohen Datendichte von 44.100 topografischen Informationen pro Sekunde. Gebirge erzeugen keine höheren Frequenzen, sondern dynamischere Strukturen als flache Landschaften. Entsprechend sind die Meere mit durchschnittlichen Regionen ohne Klang (Meeresspiegelhöhe "null"). Da 70% der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, ist der G-Player überwiegend "still".

 

Der G-Player ist konzeptioneller Bestandteil einer Installation für modifizierten Computer, Verstärker, Lautsprecher und Möbel. Er wird innerhalb eines "GP-Stores" von einem Verkäufer (Performer) präsentiert. An der Wand befindet sich eine große Weltkarte, der den Ortsunkundigen hilft, die Flugposition einzuordnen. Die Besucher werden wie potentielle Käufer behandelt. Es gibt Sitzmöbel und ein Werbeblatt, das Besuchern ausgehändigt wird.

Als exemplarisches Beispiel für eine Audifiaktion in artifiziellem Kontext ist der G-Player bzw. seine Installation im Kunstraum eine Huldigung technischer Möglichkeiten und zugleich eine Kritik an der Medienindustrie.

 

Expo: Klangraum-Raumklang Festival, Köln, 2004; Hybrid, living in paradox, Ars Electronica 2005

 


Datensatz:10

© 2018 Sonifyer.org